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Die Kirche von
Niederhelfenschwil wird im Jahre 903 erstmals genannt.
Aus dem Jahr 1586 gibt
es Akten, wonach an der Kirche Renovationsarbeiten
durchgeführt wurden. Ob es der Bau von 903 war, weiss man
nicht. Der damalige Turm war spitzhelmig und unter dem Chor
gab es eine Krypta, die etwa 100 Personen Platz bot. Diese
war dem hl. Rupertus geweiht und wurde von vielen Pilgern
besucht.
In den siebziger Jahren
des 18. Jahrhunderts war die Kirche baufällig geworden, so
dass man sich nach langem Hin und Her für einen Neubau
entschloss. Br. Paul Wuocherer aus dem Kloster St. Gallen
führte die Bauleitung. Er soll auch die Pläne verfertigt
haben. Kurz vorher hatte er die Klosterkirche Glattburg
gebaut (1782) - deshalb die vielen Ähnlichkeiten dieser
beiden Kirchen. Der Baugrund erwies sich als
ausserordentlich schlecht. Für die Fundamente wurden mehr
Steine benötigt als für den ganzen Oberbau. Dies verursachte
solche Mehrkosten, dass die Gemeinde gezwungen war, beim
äbtischen Hof in Wil eine ausserordentliche Anleihe
aufzunehmen. Als Steinmaterial diente Tuff, der im „Kretzenmoos“
durch Sprengung des "Otmarsteins" abgebaut wurde.
Für die Ausstattung der
Kirche berief man den Maler Josef Anton Pullacher aus Telfs
im Tirol, der damals in der fürstäbtlichen Residenz, der
Neuen Pfalz in St. Gallen, den Thronsaal in
illusionistischer Weise ausmalte. Seiner Hand verdanken wir
auch die Ausmalung der Zimmer im Wasserschloss Hagenwil (TG)
sowie das Deckenbild im Chor der Kirche von Niederglatt
(SG). Pullacher hatte sämtliche Malerei in der Kirche, auch
alle "Verzierungen, die sonst in Stukador sollten angebracht
werden" zu verfertigen.
Altäre und Kanzel
führte der Bildhauer Johannes Wirthensohn aus, den Br. Paul
ebenfalls beim Bau der Glattburger Klosterkirche kennen
gelernt hatte. Statuen und Schnitzwerk verfertigte
Wirthensohn in seiner Frauenfelder Werkstatt, während die
Gesellen Andreas Ehrat und Josef Jäger die Schreinerarbeiten
nach dem Riss des Bildhauers in der Kirche selbst
ausführten. Den fertigen Aufbauten und Figuren verliehen
dann Joseph Anton Bobleter aus Feldkirch und Ignaz Klainer
aus Neu-Ravensburg die farbige Fassung. Der Bau war 1787
fertig gestellt.
Ein Orgelwerk wurde
1797 aus dem Kloster Notkersegg (St. Gallen) angeschafft.
Seine Reparatur kostete fast das Doppelte des Kaufpreises.
Erst 1804 vollzog Weihbischof Ferdinand von Konstanz die
Kirchweihe, fast zwei Jahrzehnte nach der Fertigstellung des
Bauwerks. 1807 wurden, offensichtlich aus der
Liquidationsmasse des Klosters Mehrerau, zwei Glocken
gekauft und von Glockengiesser Rosenlächer in Konstanz zu
einer einzigen umgegossen.
Die Renovation von 1887
veränderte zwar die Farbstimmung des Kirchenraumes, liess
aber die Substanz unangetastet, so dass die
Innenrestauration von 1942 den alten Bestand fast lückenlos
wiederherstellen konnte.
1966/67 erfolgte eine
Aussenrestauration. Der neue Verputz erhielt die Struktur
des allzu schadhaften alten, der wohl noch der originale
gewesen war.
Anstelle des verlorenen
Rupertus-Bildes über der Empore, welches Pullacher gemalt
hatte, liess die Kirchgemeinde 1977 durch Karl Manninger das
Deckengemälde "Die Taufe Konstantins" anbringen. Es ist die
Nachbildung des 1785 von Dionys Roman Weiss in der Kirche
Vorderburg im Allgäu gemalten Werkes. Weiss war ein Sohn von
Franz Anton Weiss aus Rettenberg, welcher die Klosterkirche
Glattburg ausgemalt hatte. Glattburg war das direkte Vorbild
für die Niederhelfenschwiler Kirche. Thematisch passt das
Taufthema zum Kirchenpatron Johannes Baptist.
1987 erfolgte die
Errichtung der neuen Orgel in einem stilistisch dem
Kirchenraum angepassten Gehäuse.
Instrument und
Gehäuseentwurf: Späth, Rapperswil
Schnitzereien: Josef
Schibig, Steinen
Ausführung des Gehäuses:
Clemens Scherrer, Niederhelfenschwil
Fassung: Erhard Ressel,
Fischingen
Im Rahmen der
Gesamtrenovation von 2002 wurden die vordersten Bankreihen
entfernt, so dass mehr liturgische Gestaltungsfreiheit
gegeben ist.
Quelle: Pfarrkirche St. Johannes Baptist in
Niederhelfenschwil SG, Josef Grünenfelder, Schweizerische
Kunstführer (überarbeitet von Walter Stähelin)
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